Luftbild von Wahnhausen

Luftbild von Wahnhausen

Es ist Brauch, als „Geburtsjahr“ eines Ortes seine erstmalige Erwähnung in einer noch vorhandenen oder überlieferten Urkunde zu verwenden. In zahlreichen erschienen Veröffentlichungen, die sich mit der Geschichte Wahnhausens befassen, werden die Jahre 880 und 889 als erste urkundliche Erwähnung genannt. Diese Urkunde aus karolingischer Zeit ist aber „ein Fabrikat eines Schwindlers.“ 

Die eigentliche Ersterwähnungsurkunde Wahnhausens stammt aus dem Jahr 1107. Sie befindet sich im Klosterarchiv von Hersfeld. Das Dorf wird hier Wanenhusun genannt. 

Eine eindeutige Erklärung des Ortsnamens ist nicht möglich. Einige Flurnamenforscher deuten das Eigenschaftswort „wahn“ als „leer“ und „mangelhaft“, andere als „Sumpf“ und „Moor“. 

So kann davon ausgegangen werden, dass das besiedelte Gelände ursprünglich leer und nicht besiedelt und aufgrund seiner Nähe zur Fulda versumpft war. 

In der Mitte des 13. Jahrhunderts herrschten als Folge von erbitterten Erbschaftskämpfen an der unteren Fulda allgemeine politische Unsicherheit und verworrene Verhältnisse. Dies nutzte das benachbarte Herzogtum Braunschweig und annektierte 1247 ohne Rechtsgrund die nördliche Hälfte des Kaufunger Waldes mit Münden, die Ufer der Fulda bis Spiekershausen und links der Fulda die heute nicht mehr vorhandenen Dörfer Altmünden, Ratten, Oberspeele sowie Wahnhausen und den Eichenberg. Außerdem wurde im gleichen Jahr auch der Kragenhof braunschweigisch. 

Wahnhausen kam so 1247 unter braunschweigische Gerichts- und Landeshoheit. Der Grund und Boden blieb jedoch hessisch, den Zehnten, Erbzins, Weideabgaben und andere Abgaben mussten an den hessischen Landgrafen abgeliefert werden. Wahnhausen wurde ein Kondominat, d.h. mehrere Herrscher herrschten über das gleiche Gebiet. 

Dieser Zustand wurde erst 1831/32 durch einen Vertrag zwischen den Regierungen des Königreiches Hannover und dem Kurfürstentum Hessen beendet. Nach 584 Jahren wurde Wahnhausen „mit allem Zubehör links der Fulda unter die volle Landeshoheit des kurhessischen Staates“ gestellt. Damals lebten 267 Einwohner in 45 Häusern in Wahnhausen. 

Über Hunderte von Jahren wurde das Leben der Wahnhäuser Einwohner maßgeblich von der nahen Fulda bestimmt. Sie gab vielen von ihnen Arbeit als Fischer und Schiffszieher. 

Durch Kanalisierungsmaßnahmen (1893 – 1895) und später (1975 – 1980) wurde der Flusslauf stark verändert und verlor so viel von seiner ursprünglichen Bedeutung für die Bewohner. 

Mit der fortschreitenden Industrialisierung im nahen Kassel veränderte sich auch das Bild und die soziale Struktur des Dorfes Wahnhausen wurde zu einer Arbeiterwohngemeinde. 

Weitere Informationen findet man in der Dorfchronik von: Volker Luckhard „Wahnhausen – Beiträge zur Geschichte eines Fuldadorfes“, Fuldatal 2003