Foto von Rothwesten

Rothwesten

Rothwesten ist zwar der Ortsteil dessen urkundliche Ersterwähnung am ältesten ist, der aber im Vergleich mit den anderen 5 Ortsteilen nicht freiwillig der Großgemeinde Fuldatal beigetreten ist. 

Rothwesten wurde urkundlich erstmals im Jahr 1020 in einer Urkunde König Heinrich II. (1002 – 1024) als Hruodewarteshusun erwähnt. 

Der Name setzt sich zusammen aus „Hruode“ = Rodung, „wart“ = eingezäunter Platz und „husen“ = hausen, d.h. „der auf einer eingezäunten Rodung angelegte Platz“

Weitere urkundliche Erwähnungen findet man 1152, da Rothwesten abgabepflichtig für das Kloster Ahnaberg in Kassel ist. Nach 1180 sind die Landesherren von Thüringen und dann die Landgrafen von Hessen Besitzer des Dorfes. 

Die Besiedlung der Rothwestener Gemarkung erfolgte jedoch viele Jahrhunderte früher wie Funde von Scherben, Teile eines Steinbeiles sowie Überreste von Wohngruben aus der Zeit um 4000 v. Chr. beweisen. 

In einer statistischen Aufstellung aus dem Jahr 1788 kann man lesen: 

„Bauern-Wohnungen sind hier 23, in welchen 1787 lebten 

28 Männer
32 Weiber
42 Söhne
34 Töchter
10 Knechte
3 Mägde 
1 Lehrjunge

Die Einwohner nähren sich vom Ackerbau, Tagelohn, Viehzucht und Spinnen, 10 daselbst sind Ackerleute, 9 Köther und 8 Beisitzer.“ 

Martin, Johann Christian, a.a.O. S. 364 f. 

Der Mittelpunkt der Siedlung war viele Jahre ein Gutshof, der von  1773 bis 1953 Staatsdomäne war. 

1956 wurden die Gebäude zum größten Teil abgerissen; Überreste wurden 1965 durch einen Großbrand zerstört. 

Die hessische Staatsregierung erneuerte 1953 den Pachtvertrag nicht und das 175 ha umfassende Land wurde für Siedlungszwecke aufgeteilt. Zahlreiche Heimatvertriebene fanden hier eine neue Heimat. 

In der Rothwestener Gemarkung liegen auch die Güter Winterbüren und Eichenberg. Die Ländereien gehörten einst dem Kloster Ahnaberg und wurden später Eigentum der Familie Waitz von Eschen (Winterbüren) und von der Malsburg (Eichenberg). Nach 1947 wurde Gut Eichenberg im Rahmen einer Bodenreform aufgelöst und die Ländereien auch für die Neuansiedlung von vertriebenen Landwirten genutzt. 

Viele Jahre wurde der Ort von dort stationierten militärischen Einheiten mitgeprägt. Ab 1934 wurde ein Fliegerhorst gebaut, der ab Mai 1935 miltärisch genutzt werden konnte. Nach dem 2. Weltkrieg waren dort amerikanische Soldaten stationiert. Von Oktober 1972 war das Gelände, das inzwischen „Fritz-Erler-Kaserne“ hieß, von verschiedenen Einheiten der Bundeswehr belegt.  Am 31. Dezember 2007 endete mit der Auflösung des Stabes der Flugabwehrbrigade 100 die über 70 Jahre dauernde militärische Nutzung. 

Da Rothwesten im Jahr 1020 erstmals urkundlich erwähnt wurde, feiert dieser Ortsteil im Jahr 2020 mit der Großgemeinde einen gemeinsamen Geburtstag. 

Rothwesten: 1000 Jahre Fuldatal: 50 Jahre 

Weitere Ausführungen zur Geschichte Rothwestens findet man in einer Chronik von Willy Pötter in: 975 Jahre Rothwesten 1020-1995; Festschrift des Ortskuratoriums Rotwestener Vereine, 1995